Historische Geschichte
Aus der Geschichte von Kakenstorf

„Die Franzosenzeit“ - Ein Rundgang durch Kakenstorf im Jahre 1814:

Kakenstorf hat bereits seit über 600 Jahren seinen Ortskern in der Form, wie wir ihn heute in der Straße „Unter den Eichen“ sehen. Beginnen wir unseren kleinen Rundgang an der Einmündung zur „Langen Straße“ und gehen wir Unter den Eichen Richtung Trelde, so folgen wir dem alten Postweg, auf dem mehrere Jahrhunderte lang die Postkutschen auf ihrem Weg von Tostedt in Richtung Harburg durch Kakenstorf fuhren.  An dieser Kreuzung Lange Straße/Unter den Eichen trifft übrigens der Alte Postweg auf den noch älteren Heerweg, der ziemlich klar in Nord-Süd-Richtung verläuft. Beide Weg zusammen überqueren den kleinen Bach „De Sühl“ (oder auch Voßbeek genannt). Während dann der alte Heerweg geradewegs über die Bergstraße Richtung Norden nach Drestedt/Dierstorf führt, macht der alte Postweg eine Rechtskurve Richtung Trelde. „De Sühl“ als Wasserlieferant war ein wichtiger Grund für die erste Ansiedlung von Menschen in dieser Gegend, das Quellgebiet dieses Baches liegt nahe der Weidenstraße. Damit alle Höfe gleichberechtigt Zugang zum Wasser hatten, liegen alle Höfe mit ihren Wiesen hinterm Haus an diesem Bach. Die Este war als Fluß für eine Ansiedlung viel zu gefährlich, zu hoch und schnell konnte das Wasser steigen, zu feucht war der Aue-Bereich um ein Haus darauf zu errichten.

1814 gab es 7 Höfe, es waren von verschiedenen Grundherren abhängige Voll- und Halbhöfner,  man könnte auch  den etwas ungenauen Begriff Bauernhöfe wählen, in Kakenstorf. Folgen wir auf unserem Rundgang dem alten Postweg so treffen wir rechterhand auf das Haus von „Oarns“, benannt nach einem früheren Besitzer namens Arndt. Dieses Haus war damals ein Neubau, errichtet auf einem Hausplatz, an dem schon mehrere hundert Jahre zuvor der Hof Oarns bestand. Genau gegenüber (heute Rinderstall der Familie Stöver) stand „Pringens“ Hof, heute im Original zu sehen als zentrales Gebäude im Freilichtmuseum Kiekeberg. Etwas weiter links die Duchfahrtsscheune, eine Zehntscheune zum Sammeln des Zehnten einer Ernte für den Grundherrn.

Gleich nach dem Oarns Hof folgt der Schrüürs Hof, benannt nach einem vormaligen Besitzer mit Namen Schröder, danach der Hof Cours oder Kaurs gegenüber der heutigen Hausnummern 25 und 27. 1814 war der Hof wahrscheinlich bereits abgebrannt und wurde gerade oben an der neuen Chaussee neu errichtet. Bereits vor 1814 hatte die Familie auf Hof Cours eine Schankerlaubnis und konnte Reisende und Einheimische in einer Stube bewirten. Die Schankerlaubnis ist bis heute erhalten und Cours Hof ist heute das Gasthaus „Zum Estetal“ an der Chaussee, heute sagen wir B75.

Das bis heute erhaltene schöne Haus des folgenden Hof Swieberts war 1814 ebenfalls  ein erst wenige Jahre alter Bau, danach folgen auf der gleichen Straßenseite die jüngeren Höfe „Ramakers“ und „Jooms“. Das vorherige Fachwerkhallenhaus von Ramakers ist noch vor dem II.Weltkrieg abgebrannt. Das alte Hofgebäude „Jooms“ ist noch gut zu erkennen, als Stallgebäude, an dem ein moderneres Wohnhaus im frühen 20. Jhdt. angebaut worden ist.

1814 finden wir noch wenige Rinder und Schweine im Dorf, dafür aber über 400 Schafe. Mehrere Schafhirten verlassen früh morgens das Dorf in Richtung Heideflächen, auf denen außerhalb des Dorfes die „Butenschaapskoben“ stehen. 

Die Arbeit des Kuhhirten richtet sich nach den Melkzeiten. Dreimal täglich wird gemolken. Morgens nach dem Melken ertönt sein Horn und er verläßt er mit allen Kühen des Dorfes, etwa 30-40, die Höfe,  dann kommt er zur Mittagszeit mit seinem Vieh zum „Kaulaager“,  wo die Mägde der Höfe bereits zum Melken mit ihren Kannen warten.  Abends bringt er die Kühe wieder in ihre Ställe zurück. Einen Scheinehirten für die etwa 10 bis 20 Tiere hat es in Kakenstorf wohl nicht gegeben, aber den Gänsehirten, vielleicht einen Pferdehirten.

Die Jahre um 1814 brachten immer wieder Unruhe ins Dorf. Es war das letzte Jahr der  „Franzosen-Tied“. Das Königreich Hannover stand unter französischer Verwaltung, Napoleon war der offizielle Herrscher und ließ sich in Hannover durch seinen Bruder als Landesherrn über das Königreich Hannover vertreten. Es herrschte der Verdacht, daß auch die Heidebauern im „Departement Elbe“  mit „dem Feind“, also England zusammenarbeiten würden und trotz der Kontinentalsperre Lebensmittel und Waren über Elbe und Nordsee  schmuggeln würden. Jederzeit waren Kontrollen durch die französischen Kommissare möglich, und es gab regelmäßig Einquartierungen französischer Soldaten auf ihrem Rückzug aus dem Rußlandfeldzug. Außerdem wurden die Bauernsöhne, wenn möglich, als Soldaten für französische Dienste rekrutiert.

Und es sollte der Alte Postweg abgelöst werden durch eine steinerne, gepflasterte „Chaussee“ am oberen Dorfrand, später der Bremer Straße oder B75 genannt. Die Bauarbeiten an dieser Steinstraße liefen 1814 auf Hochtouren, errichtet nach den Plänen des vorherigen hannoverschen Königs, jetzt durchgeführt auf Befehl von Napoleon. Die Höfe mußten Land abgeben für den Fahrdamm und vor allem „Pringen“ verlor für seine Wiesen den Zugang zur Sühl. Französische Commissaires reisten durchs Land, um in Dorfversammlungen unter Aufsicht des Tostedter Bürgermeisters, der jetzt „maitre“ hieß, die Entschädigungszahlungen abzuklären. Allerdings war 1814 auch schon das Jahr der Befreiung, nach den Siegen über Napoleon wurde wieder der hannoversche und englische König der Landesherr und es folgte eine lange Zeit des Friedens.

 

 

Dr. Thomas Meyer                         Kakenstorf im Oktober 2014

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