Die Burg von Kakenstorf

 

Fahren wir auf der Bundesstraße 75 von Tostedt kommend in Richtung Harburg, so können wir uns auf der der Höhe von Kakenstorf nach links wenden. Etwa 500 m von der B75 entfernt liegen dort im Wald- und Wohngebiet, wo der Bach „Voßbeek“ in die Este mündet, deutlich sichtbare Reste einer Burganlage aus dem frühen 9. Jhdt. n. Chr. Eine vergleichbare Anlage finden wir in Hollenstedt, dort wird sie „Alte Burg“ genannt. Was hat es mit dieser „Kakenstorfer Burg“ auf sich?

 

Gehen wir einmal gedanklich in die Zeit zwischen 700 und 900 n. Chr. zurück: Es gab damals einen großen Heer- und Handelsweg entlang der Este, ein Weg, der in klarer Süd-Nord-Richtung verlief und den im Jahre 5 n. Chr. bereits der römische Kaiser Tiberius beschritten hatte. Dieser Süd-Nord-Heerweg lief  von Kakenstorf aus gesehen, wenn wir im Gasthaus „Zum Estetal“ zur B75 aus dem Fenster schauen, noch heute teilweise gut erkennbar fast schnurgerade über Drestedt-Dierstorf- Oldendorf in Richtung Norden. Und in südliche Richtung die Bergstraße hinunter, dann „Unter den Eichen“ bis zur „Langen Straße“ und dann parallel östlich zur Bachstraße mit einem großen Bogen Richtung Welle. Außerdem gab es damals kleinere Handelswege, wie den aus Richtung Rotenburg über Tostedt nach Harburg (heutige B75), der die Este mithilfe der Kakenstorfer Furt überqueren mußte.

 

An dieser Stelle, am Kreuzungspunkt der Heer- und Handelswege und an der wichtigen Este-Furt wurde damals eine Wallanlage angelegt. Mit einem etwa dreieckigem Grundriß: zur westlichen Seite die Este mit ihren morastigen, sumpfartigen Ufern, zur östlichen Seite der sumpfige Auenbereich der „Voßbeek/Sühl“ und nach Süden hin ein etwa 8 m hoher massiver Erdwall mit etwa 3 m hohen Palisaden auf der Wallkrone und einem Graben davor.

Es war das Hoheitsgebiet der Stader Grafen, die diese Anlage, vergleichbar mit dem damaligen Zweck der heute „verschwundenen“ Jesteburg an der Seeve-Furt, als Zollstation nutzen konnten. Es konnten dort bewaffnete Reiter stationiert sein zum Schutz und Kontrolle der Wege und der Grafschaft. Es war aber auch die Zeit der bedrohlichen Ungarneinfälle. Das heißt es kamen größere und kleinere Gruppen schwer gepanzerter Reiter aus Osteuropa vor allem mit Hieb- und Stichwaffen, die raubend durchs Land zogen. Für einen gepanzerten Ritter zu Pferd waren die Esteauen unüberwindbar, er versank in kürzester Zeit im Sumpf. Er mußte die Furten nutzen.

Eine Anlage, wie die in Kakenstorf, konnte diese Reiter effektiv abhalten. Die Grafen waren im 9. und 10. Jhdt. vom Kaiser ausdrücklich damit beauftragt worden, das Reichsgebiet u.a. vor den Ungarn zu schützen und zu diesem Zwecke Verteidigungsanlagen zu errichten. Diese sogenannten Ungarnwälle kann man heute vor allem auch in Süddeutschland gut besichtigen. Es gehören zu diesen Verteidigungsanlagen nicht nur der Wall und Graben, sondern üblicherweise wurde auch der Vorbereich der Burg mit „Annäherungshindernissen“ versehen, zusätzliche Gräben oder häufig dichte Dornengebüsche und Baumhindernisse in Form von kurzgeschnittenen Hainbuchenhecken hinderten die Reiter, sie konnten von Wurfgeschossen aus der Burg leichter getroffen werden. Oft kann man an der heutigen Vegetation an solchen Orten, den ehemaligen Standort einer Burg erkennen.

Und solche Wallanlagen konnten für die Bewohner anliegender Siedlungen gleichzeitig als Flieh- oder Fluchtburg dienen, wenn schon die Dörfer niedergebrannt wurden, so konnte man dann wenigsten sein Leben und Teile seines Hab und Guts retten.

 

Üblicherweise wurden die Burgen, wie die Jesteburg und die Moisburg, später Sitz einer zentralen Amtsverwaltung, oder wie in Rotenburg der sichere Wohnsitz des Bischofs und seiner Vertreter, wenn nicht gar Herzogssitz, wie Harburg oder Lüneburg. Hollenstedt blieb zentraler Kirchplatz des „Moisi-Gau“. Die Nutzung der Kakenstorfer Wallanlage wurde wahrscheinlich irgendwann aufgegeben, wobei sie anders als in Hollenstedt offenbar niemals niedergebrannt wurde.

Die bis heute beachtliche Höhe der Wallanlage deutet aber auch darauf hin, daß sie in den vergangenen 1200 Jahren immer wieder für militärische Zwecke gedient haben konnte. Und dazu paßt auch der sensationelle Fund von 4 Kanonenkugeln aus dem 15.-17.Jhdt, die wahrscheinlich zum Beschicken einer Falkonett, also eines leichten Feldgeschützes, nebeneinander in der Wallanlage gelegen haben, Geschichtsinteressierte konnten 2014 bei einem historischen Spaziergang der Naturschutzfreunde Estetal e. V. die Übergabe dieser Kugeln an den Archäologen live miterleben.

 

 

Dr. Thomas Meyer                                                                        Kakenstorf im Oktober 2015

   
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